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sE - Selektive Entwurmung

In der Regel wird geraten ein Pferd 4 Mal im Jahr zu entwurmen. Doch oft stellt sich die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt und nach der Wahl des Mittels. Jeder Pferdebesitzer sollte sich auch bewusst sein, dass jede Wurmkur eine "chemische Keule" ist, welche sich auch negativ auf das Immunsystem des Pferdes auswirkt - bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Desweiteren haben sich viele Resistenzen der Würmer gegenüber manchen Wirkstoffe gebildet, so dass man sich nicht sicher sein kann, dass eine Wurmkur auch wirklich wirkt. Desweiteren weiß man ohne weiteres nicht, ob das Pferd überhaupt von Würmern "befallen" ist und eine Wurmkur notwendig ist.

Aus diesem Grund bin ich zur "selektiven Entwurmung" (kurz: sE) gestoßen.

Wieso überhaupt entwurmen?

Wir halten unsere Pferde auf stark begrenzten Flächen. Die Pferde sind sozusagen gezwungen dort Nahrung aufzunehmen wo wenige Stunden/Tage/Wochen zuvor ein (anderes) Pferd seine Notdurft verrichtete. Über diesen Weg gelangen die Würmer bzw. Wurmeier in die Pferde und können dort massive Folgen haben. Würmer schädigen die Darmwände und können Kolik etc. auslösen.

Wie kann ich Wurmbefall vorbeugen?

  • im Fohlenalter: Der Grundstein für ein gesundes Pferd wird im Fohlenalter gelegt! Die selektive Entwurmung ist speziell für Fohlen aber noch nicht geeignet. Wird ein Fohlen in den ersten Monaten ungenügend entwurmt, wird es später wahrscheinlich auch unter einem höheren Wurmdruck leiden, da die Fohlen durch ein noch nicht voll entwickeltes Immunsystem anfälliger für Verwurmung sind und die Darmwände dadruch massiv gestört sind. (Also gilt hier auch: Augen auf beim Pferdekauf!)
  • Weidehygiene: In erster Linie ist der Kot der Pferde die größte Infektionsquelle. Studien belegen, dass trotz regelmäßiger Wurmkur der Wurmbefall auf täglich abgemisteten Weiden/Ausläufen erheblich reduziert ist. Daher ist es anzuraten alle Ausläufe und möglichst auch die Weiden täglich abzuäpfeln.
  • Immunsystem stärken
  • selektiv Entwurmen (sE)

Wie funktioniert die sE?

Zu Anfang wird 4 mal im Jahr bei (möglichst) jedem Pferd in der Herde eine (frische) Kotprobe genommen und im Labor auf Wurmeier untersucht. Da wie gesagt ein Pferd nie ganz wurmfrei ist, gibt es einen Grenzwert bis zu welchem ein Wurmbefall noch als "gesund" angesehen wird. Dieser Grenzwert liegt bei 200 Wurmeiern pro Gramm Kot (EpG) Stellt sich nach eine Kotprobe heraus, dass dieser Grenzwert ünberschritten wurde, werden selektiv diese Pferde entwurmt mit einem Wirkstoff, welcher zu der analysierten Wurmart passt und diese somit gezielt bekämpft. Zwei Wochen nach der Entwurmung wird eine Kontrollkotprobe (nur bei den entwurmten Pferden) durchgeführt, um die Resistenzbildung zu überprüfen. Falls diese Kotprobe erneut eine hohen Wert aufweist ist von einer Resitenz gegen dieses Mittel auszugehen und es muss mit einem anderen Wirkstoff erneut entwurmt werden.

Wieso "selektiv" entwurmen?

Es ist möglich, dass es innerhalb einer Herde trotz gleichem "Wurmdruck" starke Unterschiede in der Eizahl im Kot gibt. Traditionell wird immer dazu geraten alle Pferde eines Bestandes komplett zu entwurmen. Mittelerweile ist diese Erkenntnis aber überholt und fördert sogar eher noch die Resistenzbildung der Würmer gegenüber den Entwurmungswirkstoffen. Der Grund im unterschiedlichen "Wurmbefall" liegt nicht nur im Wurmdruck auf den Weiden und Ausläufen, sondern hängt insbesondere damit zusammen, dass es "gesündere" Pferde gibt, bei welchen die Darmwände sabiler & geschützer sind und die Würmer sich somit nicht festhalten können, bzw. sich unwohl fühlen. Diese intakte Darmwand bzw. das für Würmer unbeliebte Darmmilleu kann durch spezielle Futtermittel ("Kräuterwurmkuren", EM) und homöopathische Behandlung ("homöopathische Wurmkur") gefördert & gestärkt werden.

Was tun bei Bandwurmbefall?

Bandwüermer sind im Kot nur sehr schlecht nachzuweisen, bzw. nur in bestimmten Entwicklungsstadien. In Deutschland gibt es nur sehr wenige Labore die eine relativ gesicherte Aussage über einen Bandwurmbefall machen können. Wird jedoch bei einem Pferd Bandwurm nachgewiesen, so muss (im Gegensatz zu allen anderen Wurmarten) der komplette Bestand entwurmt werden!

Vorteile & Nachteile der selektiven Entwurmung

Vorteile Nachteile

Gesündere Pferde: Belastung des Immunsystems minimieren (Entwurmung nur wenn hoher Wurmdurck vorhanden)

(zu Beginn) höhere Kosten (durch wiederkehrende Wurmkuren)

Resistenzen vorbeugen (Entwurmung nur wenn wirklich notwenidig)

Arbeitsaufwand (Kotprobenahme)

Nachhaltige Reduktion der Weidekontamination

                                                                                                

mittel-/langfristige Kostenersparnis (durch seltenere Entwurmung)

 

Seit Dezember 2011 führe ich bei meinen Pferden die "selektive Entwurmung" durch. Statistiken folgen!

Mehr Infos zur sE: www.selektive-entwurmung.de